Stressesser essen eigentlich ganz normal

Von der ‘Uni Konstanz gibt es eine Pressemitteilung aus dem Oktober 2013:

Eine psychologische Studie an der Universität Konstanz belegt ein kompensatorisches Essmuster von Stressessern

Menschen, die auf Stresssituationen im Alltag mit vermehrter Nahrungsaufnahme reagieren, leben nicht gezwungenermaßen ungesünder als sogenannte Stresshungerer, die in der gleichen Situation weniger essen. Eine experimentelle Studie an der Universität Konstanz zeigt, dass sowohl Stressesser als auch Stresshungerer einem Kompensationsmuster folgen. Danach gleichen die Stressesser die höhere Kalorienzahl damit aus, dass sie in positiven Situationen weniger essen.


Umgekehrt nehmen Stresshungerer in positiven Situationen mehr Nahrung zu sich als in Stresssituationen. Dr. Gudrun Sproesser, Prof. Dr. Harald Schupp und Projektleiterin Prof. Dr. Britta Renner vom EATMOTIVE-Projekt am Fachbereich Psychologie stellen die gegenwärtige Praxis in Frage, Stressesser zur Selbstdisziplin anzuhalten. Dies könnte zu noch mehr Stress und entsprechend einer Dysregulation ihres Essverhaltens führen. Die Ergebnisse der Studie sind in einer der kommenden Ausgaben des Wissenschaftsjournals „Psychological Science“ nachzulesen. Sie können bereits jetzt unter dem Link http://pss.sagepub.com/content/early/recent eingesehen werden. (…)

Ich hatte die Meldung eher zufällig gefunden, bezweifle, dass die Studienergebnisse auch allgemein verstanden und “umgesetzt werden. Um diese noch einmal zu verdeutlichen: “Stressesser wie Stresshungerer, die in die neutrale Seelenlage versetzt worden waren, aßen im Übrigen ungefähr gleich viel.”

Ich denke, die Studienergebnisse räumen mit einem Vorurteil über die Essmotive auf, jedenfalls zum Teil, denn was etwa bei Frustessern geschieht, und ob die jemals ihr “zu viel” wieder ausgleichen, ist ungeklärt.

Was allerdings bei einer unentspannten Seelenlage, wenn der Stress von einem Damoklesschwert herrührt, geschieht, müssen wir uns denken.

Zum Abschluss noch ein Ausschnitt aus einem Interview mit Dr. Gudrun Sproesser

Welchen Tipp können Sie zum Schluss dem Durchschnittsesser noch mitgeben?

Sproesser: Man muss sich klarmachen, dass das menschliche Essverhalten durch multiple Gründe bestimmt wird und häufig auch durch kompensatorische Muster geprägt ist. Was das heißt? Wir essen nicht nur aufgrund von Hunger sondern jeder kann einmal darauf achten, was für Gründe bei ihr oder ihm das Essverhalten beeinflussen. Und wer einmal in einem schlechten Moment zur Eispackung greift, wird dies vermutlich in einem positiven Moment durch ein Weniger-Essen wieder ausgleichen.

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2 Kommentare zu “Stressesser essen eigentlich ganz normal”

  1. Also ich finde die Studie auf der verlinkten Seite nicht – die geht irgendwie nur bis zum Dezember 2013.

    Na gut!

    Da stellt sich mir jedoch die Frage: Wissen die Personen, dass sie Stressesser sind oder eben nicht? Wie viele Personen wurden “befragt” beziehungsweise “beobachtet”. Wie lange ging das Projekt?

    Für mich leider Variablen, ohne die es schwierig wird, sich eine vernünftige Meinung bilden zu können. Denn: Wie sieht es mit übergewichtigen oder gar fettleibigen Stressessern aus? Essen die plötzlich in “guten Zeiten” auch weniger und falls ja, haben die einfach weniger “gute Zeiten”? Du siehst: Fragen über Fragen. :(

  2. Hi, Mischa,

    dem Thema ist mit Wissenschaft im herkömlichen Sinne auch nicht beizukommen, was hier thematisiert worden ist, ist m.E., dass man einem Stressesser nicht noch allzuviel Selbstbeherrschung abverlangen darf oder kann, weil er halt sein Programm hat.

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