Lob der Massentierhaltung

Zuerst freut man sich: Dass es auch Landwirte gibt, die bloggen. Dann aber: Die Inhalte. Die Agrarblogger sehen einen Film im Fernsehen und rufen “Bravo”:

Massentierhaltung, ja bitte! Sehenswerte WDR-Sendung

 

Der Film mag manchem Bauern aus dem Herzen gesprochen haben: Die Realität auf den Höfen, die es noch gibt, ist hart, von Zahlen bestimmt und nicht von einer ganzheitlichen Landwirtschaft, die es auch einmal gegeben hatte.

Die Landwirtschaft aus Omas Zeiten wird idealisiert und als das einzig Wahre hingestellt. Völlig weltfremde Ansichten und einige wenige negative Fälle werden als Vorwand benutzt um den Menschen weiß zu machen Massentierhaltung wäre schlecht. Allein der dazu gebrauchte Begriff “Massen” ruft eine negative Assoziation hervor.

In Omas Zeiten gab es vielleicht zehnmal so viele Bauern wie heute, wurde der Stall von Hand ausgemistet und der Mist von Hand fachmännisch auf dem Acker verteilt. Dann kam die Mechanisierung, dann das Sterben so vieler Höfe.

Der Film argumentiert mit der Notwenigkeit der Massentierhaltung, um den  Bedarf zu decken – die weltweite Nachfrage steige ja auch, und die Verstädterung bedinge, dass ein verbrauchernahe Erzeugung von Lebensmitteln nur in Großbetrieben vor der Stadt machbar sei, es sei denn, man stelle Hochhäuser für die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte in die Stadt, mit Treibhaus, Tiermast und Schlachthof in einer Einheit.

Diese “Vertikale Landwirtschaft” ist so ganz abwegig auch nicht – wenn den Tieren beim Blick aus dem Hochhaus nicht schwindlig wird, ist hier möglicherweise auch artgerechte Haltung realisierbar – das wäre zu diskutieren, festzuschreiben und einzuhalten.

Der Film hat auf eine recht krude Art noch vorgerechnet, wie riesig der Flächenbedarf bei der Bio-Landwirtschaft doch sei. Dass andererseits der Agro-Sprit riesige Flächen verbraucht, nur, damit beim Rohölverbrauch ein bisschen Augenwischerei betrieben werden kann und die Autofahrer, deren Kutschen nach wie vor zu viel saufen, mit E10 beglückt werden, blieb außen vor, wie so manche Umweltsünde der “konventionellen Landwirtschaft”, die mit Kornfeldern ohne Kornblumen und multiresistenten Keimen in der Tiermast daherkommt.

“Vertikales Gärtnern” ist schon häufige Praxis, und gärtnern ist vielleicht auch ein Stichwort, das die extreme Entfremdung des Städters von der Natur wieder etwas lindern könnte: Nicht nur der Schrebergärtner liebt das Gärtnern, ich bin sicher, dass die Liebe dazu noch in vielen Menschen geweckt werden könnte. Dass die Städte unwirtlich sind, ist verbesserungswürdig.

Die Nachfrage nach Fleisch sinkt

 

Ganz so schlimm ist das mit der steigenden Nachfrage nach Fleisch dann doch nicht: Ein halbwegs aktueller Ernährungsbericht der Bundesregierung merkt an:

Gesundheitsbewusste Männer und Frauen mit einem hohen sozioökonomischen Status und ausreichend Ernährungswissen essen weniger Fleisch und mehr Gemüse als andere Bevölkerungsgruppen. Durch die günstigere Lebensmittelauswahl nähern sie sich den von der DGE empfohlenen Orientierungswerten für Nährstoffe am ehesten.

Am Ernährungswissen wird wohl noch gearbeitet. Dazu gehört auch die Aufklärung über vegetarische Möglichkeiten, sich zu ernähren.

Verzehrempfehlungen für Fleisch haben einerseits etwas lächerliches, andererseits: Welche Empfehlungen würde ein Bauernverband aussprechen – und woran sollen Verbraucher sich orientieren?

Über Fleischmengen lässt sich trefflich streiten, der eine sieht das Fleisch als Hauptbestandteil der Mahlzeit an, für den anderen ist es eine feine Beilage. Die Empfehlung der Ernährungswissenschaftler lautet: Ein- bis zweimal Fleisch pro Woche, jeweils bis zu 150 g für einen Erwachsenen. Die "10 Regeln für vollwertiges Essen und Trinken" der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) finden Sie hier. Die DGE empfiehlt, Fleisch in Maßen zu essen, insgesamt nicht mehr als 300-600 Gramm (g) Fleisch und Wurst pro Woche für einen Erwachsenen. (Verbraucherzentral NRW)

Klar: Was die einen für eine Woche empfehlen, legen Andere sich auf einen Super-Size-Burger.

Andererseits geht der Trend zu vernünftigen Portionen. Die Portionsdiät will auch das fördern.

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