Erfolgreich den Dioxin-Skandal kleinreden

Warum die ZEIT einen TAGESSPIEGEL-Artikel mit dem Titel “Dioxin macht nicht dick” 1:1 übernimmt – man weiß es nicht, aber beim “Nachschauen” werden wir mit einem weiteren Skandal-Fund belohnt:

Fast die Hälfte aller Berliner Kinder wächst in Hartz-IV-Haushalten auf. Die beste Sozialpolitik … sind neue Arbeitsplätze. Doch man muss das wollen … Von Gerd Nowakowski

Der sechsseitige Dioxin-Artikel mit ca. 1.770 Worten schlägt einen Bogen von

“Alles halb so schlimm”

- was Chemie in Lebensmitteln betrifft

Nach allem, was wir heute wissen, gibt es keine Erkrankungen durch pestizid- oder dioxinbelastete Lebensmittel mehr. Unsere Lebensmittel sind sicherer denn je, auch wenn Medien, Verbraucherschützer und manche Politiker den gegenteiligen Eindruck erwecken. Je geringer das reale Risiko, umso größer das gefühlte.

über

Die Gesundheitsgefahren des Übergewichts sind geradezu unglaublich schwerwiegend, und niemand will es wahrhaben

Die Krankenhäuser sind voll von Menschen, die ihr Leiden mindestens zum Teil falschen Ernährungsgewohnheiten zu verdanken haben. Schwergewichtige Diabetiker, deren Blutgefäße und Nerven durch anhaltend hohen Blutzucker geschädigt wurden. Herzkranke, deren Schlagadern verfettet und von Cholesterin verstopft sind. Menschen, deren Gelenke unter der Fettleibigkeit verschlissen sind. Ganz zu schweigen von den vielen, denen der Alkohol Hirn, Herz, Leber oder Bauchspeicheldrüse zerstört hat.

zum

Welternährungsproblem

… eine zweite grüne Revolution ist erforderlich … Diese Revolution soll … die landwirtschaftlichen Erträge massiv steigern, ohne dabei den Flächenbedarf deutlich zu erhöhen. Das geht nur mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen, etwa der Züchtung neuer Nutzpflanzen (mit oder ohne Gentechnik), die weniger Wasser und Dünger benötigen und dazu Hitze, Trockenheit und Schädlinge verkraften.

Das sind drei eigenständige Themen, verquickt in einem Artikel.

Dabei wäre “Monokultur in der Landwirtschaft” oder “Nachhaltigkeit” das übergeordnete Thema, unter dem “Gift in Nahrungsmitteln”, “Übergewicht” und “Welternährung” zusammengehören.

Aber nein, so wird das nicht thematisiert. Die Ängste der Verbraucher werden als übergroß, unbegründet, irrational dargestellt:

Angstmacher Lebensmittelskandal

„Beunruhigt“ sind … drei von vier Deutschen wegen Pestizidrückständen in Obst, Gemüse und Getreide, ähnlich hohe Angst-Werte erreichen Rückstände wie Hormone im Fleisch, Schadstoffe wie Dioxine, Konservierungsmittel und gentechnisch veränderte Organismen. Real existierende Gesundheitsgefahren stehen am unteren Ende der Skala der Sorgen: Über Gewichtszunahme macht sich nur jeder Dritte Gedanken, über gesunde und ausgewogene Ernährung sind es lediglich 44 Prozent.

Dabei reicht es doch vollkommen, wenn ein Drittel der Bevölkerung sich Gedanken (Sorgen?) wegen Übergewicht macht – “wie viele wollen tatsächlich abnehmen?” wäre eine ganz andere Frage und auch, wie denen zu helfen wäre…

Der Tagesspiegel bleibt dabei: Diese Gefühle, alle diese Ängste sind irrational:

Skandakle aktivieren das Moralsystem

die Tatsache, dass da ein Giftpanscher Roulette mit der Gesundheit ahnungsloser Verbraucher spielt, treibt die Zornesröte ins Gesicht.

Wer zornig/wütend ist, denkt nicht mehr rational, diese Ansicht ist ja weit verbreitet. Die “Zornesröte im Gesicht” wegen des Dioxin-Skandals ist allerdings frei erfunden. Die “kriminellen Machenschaften einzelner Giftmischer” – an diese Version glaubt längst nicht jeder. Dass wir es “mit einem grundsätzlichen Problem zu tun [haben], ein[em] Systemproblem also”, ist schließlich keine Glaubensfrage, sondern eine nüchterne Feststellung.

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