ADHS und eine Pädagogik, die zu verstehen versucht

Es klingt antiquiert, fragt man nach den offenen und verdeckten Bedeutungen, die dem menschlichen Verhalten innewohnen und die [den Menschen] — oft mehr unbewusst als bewusst — zu seinem Handeln bewegen. Gleichzeitig ist ein geradezu globales Massenphänomen (in den Industrienationen) zu beobachten, eine Art kollektiver Hysterie, […]  Alle Welt steht unter Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsschock.

Lassen wir es bei dem kurzen Zitat: Der Versuch, den Vortrag von Manfred Gerspach

“Von Zappel-Philippen und anderen Derwischen”

zusammenzufassen, würde wohl kläglich scheitern, und wer sich (gar ohne Vorkenntnisse und den Fachbegriffen gegenüber als Neuling) über diese Sichtweise des Themas schlau machen will, sollte genug Zeit und Energie mitbringen.

Auf Manfred Gerspach war ich gerade durch eine Seite:

“Zur Geschichte und Aktualität der Psychoanalytischen Pädagokik – Fragen an Rudolf Ekstein und Ernst Federn”

aufmerksam geworden:

Nachholbedarf der Heilpädagogik

Kaufhold: Ein Gebiet, auf dem die Psycho­analytische Pädagogik quasi ein natürliches An­wendungsgebiet finden könnte, ist der Bereich der Heil-, der Behindertenpädagogik. Bruno Bettelheim hat sich selbst niemals im engen Sin­ne als “Heilpädagoge” bezeichnet, obwohl seine Tätigkeit gewiss eine “heilpädagogische” war. Sie selbst haben – sowohl in Amerika als auch in Europa – mit Grenzfallkindern, mit psychoti­schen und kriminellen Kindern gearbeitet. In der Bundesrepublik haben vor allem Aloys Leber und sein Schüler Manfred Gerspach den Ver­such unternommen, eine eigenständige psycho­analytische Heilpädagogik zu konstituieren. Würden Sie sich selbst als Heilpädagogen se­hen? Ist nicht gerade auf dem Gebiet der Heilpädagogik ein erheblicher Nachholbedarf ge­genüber den Erkenntnissen der Psychoanalyti­schen Pädagogik gegeben?

Federn: Ich war zweieinhalb Jahre Supervisor, d. h. leitender Beamter in einem Heim für gestör­te Adoleszenten von New York. 14 Jahre war ich als Sozialtherapeut tätig. Ich teile die Ansichten meines Freundes Prof. Leber. Ich bin selbst kein Heilpädagoge, sondern ein Sozialtherapeut, d. h. ich behandele, betreue und berate Individuen mit ihren persönlichen und sozialen Schwierigkei­ten. Die Heilpädagogik sollte psychoanalytische Erkenntnisse aufnehmen.

Ekstein: Mein Wunsch, eine Brücke herzustel­len zwischen Heilen und Erziehen, sollte unsere Zusammenarbeit stärken. Ich sehe mich als Pädagoge, der heilt, als Psychotherapeut, der er­zieht. Heute existiert wieder der politische Kampf, z.  B. dass Ärzte das Heilen sozusagen wegnehmen wollen, dass die Erzieher ihren Be­reich erweitern wollen. Daher gibt es in Ameri­ka ununterbrochen Diskussionen über die Ausbildung, die Legalität der Ausbildung.

Wie auch immer: Da die Materie so ganz unkompliziert nicht ist, dürfte die Idee, heilpädagogische Prinzipien in die Erwachsenenbildung einzubringen, doch keine allzu gute Idee sein. Auch hat sich mittlerweile herausgestellt, dass von der psychoanalytisch orientierten Pädagogik bei den meisten der Wenigen, die sie studiert haben, nicht mehr viel übrig geblieben ist.

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