Klinik mit Adipositas-Zimmer – Risiken und Nebenwirkungen bei Adipositas-Operationen

Dass die Berliner Charité jetzt ein Adipositas-Zimmer mit einem Transportsystem für Übergewichtige an der Decke (heißt das nicht auch “Laufkatze”?) eingerichtet hat, wissen wir jetzt auch.

Und:

In der Charité werden monatlich durchschnittlich zehn Adipositas-Patienten operiert.

Das war jetzt in der falschen Reihenfolge zitiert. Man könnte meinen, Adipöse brauchen bei irgendwelchen Operationen besondere Bedingungen. Gemeint sind aber Operationen, die der Verschlankung dienen sollen:

„Bei Patienten mit schwerer Adipositas geht es nicht darum, einige Kilos zu verlieren, sondern das Körpergewicht um 40 bis 50 Prozent zu reduzieren“, sagt Jürgen Ordemann, Leiter des Adipositas-Zentrums an der Charité. Für viele übergewichtige Menschen sei dabei eine operative Magenverkleinerung die letzte Lösung.

Offenbar gibt es bei den Magenoperationen für Adipöse eine Übereinkunft zwischen Medizinern, Krankenkassen, Patientenverbänden und  Ernährungsberatungs-Institutionen, an der “Operation als letzte Lösung” keine Zweifel anzumelden. Wenn dabei tödlicher Pfusch vorkommt, findet es sich höchstens im Lokalteil einer Zeitung.

“Tod nach Magenverkleinerung” – auch das kommt in den Medien vor, aber nur, wenn die Angehörigen vehement darum kämpfen.

Bis zu 7,5 Prozent sterben

… Nach einer Studie aus den Niederlanden überleben 1,5 bis 7,5 Prozent der Patienten den Eingriff im ersten Jahr nicht. Nach 30 Tagen liegt die Sterberate zwischen 0,1 und 4,9 Prozent. Zahlen aus dem Klinikum liegen tatsächlich nicht vor, seien aber, so Vestweber, mit den niederländischen durchaus vergleichbar.

In einem Adipositas-Forum tauschen die Teilnehmer sich über ihre mit einer Operation verbunden Hoffnungen und Ängste aus, und dieser Fall hat es nicht in die MAssenmedien geschafft:

Meine Tochter Barbara hat sich entschieden Magenbypass zu machen (22 Jahre alt und Gesund bis OP, dann undicht , Entzündung, Lungenembolie und MRSA nach 4 OP) und ist gestorben. Die genaue Todesursache ist noch von Stadtsandwald nicht mitgeteilt. Das wird sofort mitgeteilt.
Warum denkst du, das du nicht schaffst ohne OP. Ich habe auch so gedacht und habe eine wunderbare Diät gefunden. Seit November 2008 bin ich fast 50 kg glücklicher. Meine Tochter wollte leider nicht mitmachen. Ich bin immer satt und nehme ab. Man muss sich nicht operieren lassen um abzunehmen, das fängt in Kopf an. Glaube an dich und versuch die Natur nicht zu verbessern.
Ich wünsche dir alles gute
Helena

Die Mär von der “letzten Lösung” hat also ihre Tücken und Fehler.

Die folgende Diskussion in einem Adipositas-Forum war eingeleitet worden mit diesem Beitrag:

Wenn ich so lese das die gestorbenen die hier erwähnt worden sind eigentlich gesund waren bis auf ihr übergewicht dann weiß ich nicht ob das richtig ist was wir hier anstreben ……….. natürlich bin ich begeistert von allen die die OP GUT überstanden haben und solch tolle Abnehmerfolge haben, diesen möchte ich natürlich auch erreichen, ich strebe die OP weiterhin an weil sie leider meine letzte Chance ist abzunehmen, alleine schaffe ich es leider nicht.

Der Gedankengang ist doch eigentlich nachzuvollziehen: Zuerst die berechtigten Zweifel, ob die angestrebte – man muss auch sagen: Angebotene Lösung richtig ist.

Dass man sich an “erfolgreichen Vorbildern” orientiert, ist auch verständlich – wird vermutlich macherorts auch so angestrebt, um Patienten zu rekrutieren. Dann kommt allerdings der Denkfehler:

Es wird nicht nach Alternativen zur Operation gesucht, vielleicht, weil keine Alternativen angeboten werden.
Warum der Chirurg nicht für langfristige Massnahmen – Kur, Abspecken unter Betreuung und Begleitung, plädiert, ist auch zu verstehen: Das ist nicht sein Ding.

Als zentrale Aussage müssen wir wohl dies nehmen:

“alleine schaffe ich es leider nicht”

Das ist doch ein Hilferuf, wenn auch von der anschließenden Frage “Was kann man vorbeugend tun um das Risiko einer Embolie zu senken??? ” maskiert.
Angesichts der Risiken ist die Operation, wenn überhaupt, als allerletzte Chance zu erwägen. Zuvor braucht es doch Konzepte, die greifen, die Betroffenen eben nicht alleine lassen, ohne ihnen jede Mühe abzunehmen – abnehmen müssen sie schon selbst.
Zum Glück ist noch niemand auf die Idee gekommen, bei Kindern und Jugendlichen per Operation zu “helfen”.

Vielleicht sollte man sich mal in diesem Bereich umsehen, was es an Hilfsmöglichkeiten gibt, und überlegen, was da noch optimiert werden muss, und wie der Transfer der Konzepte auf Erwachsene gemangt werden kann.

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