Trauer um Robert Enke

Es wird nur selten angedeutet, wie er es gemacht hat, und dieser Rest an Diskretion ist wichtig, es wird auch daran gedacht, aus dem “Fall” keinen Fall zu machen, der Nachahmer nach sich zieht, Fußballspiele sind abgesagt worden, und es wird getrauert und eine würdige Trauerfeier geben.

Sinnlos, wirklich sinnlos und hohl sind andere Sachen. Dass Robert Enke sein Leben beendet hat, darf nicht sinnlos gewesen sein: Der erste und letzte Selbstmord den ich für leidlich sinnvoll erkläre – wider Willen, und in Trauer.

Dass er depressiv war, war ihm ja nicht anzusehen. Das Bild drückt für mich gespannte, reaktionsschnelle Aufmerksamkeit aus. Passt nicht zum Bild, das man sich von “Depression” macht: Tieftraurig, gelähmt, freud- und antriebslos. Das Bild, das wir uns von Depressionen machen, ist durch und durch falsch.

Also haben wir nur die “Maske” gesehen, und in der leistungsorientierten Welt des Spitzensports durfte so eine “Schwäche” auch nicht offenbart werden.
Aber, fassen wir uns an die eigene Nase: Auch ein paar Stufen weiter unten gilt das Gleiche. Oder besser: Hat gegolten.

Noch immer steht Fußball-Deutschland unter Schock über den Selbstmord des Nationaltorwarts Robert Enke. Doch inzwischen mehren sich auch die Stimmen, die den Profi-Fußball auffordern, mit Tabus zu brechen.

(Quelle)

Beim Blog  indirekter Freistoß gibt es einen umfangreichen Presseüberblick; dort auch dieser Satz des  Psychologen Thomas Schnelzer in der FR.

Ein Mensch tut so etwas nicht aus freien Stücken, sondern unter dem immensen Druck eines schweren seelischen Leidens. Deshalb ist der Ausdruck Freitod völlig unangemessen.

Wer Robert Enke nicht kannte, kann ihn posthum kennen lernen:

Mindestens zwei lesenswerte Portraits Robert Enkes verfasste Ronald Reng …: Eines stammt von Mai 2004 und ist bei Zeit Online zu finden, ein weiteres ist vom Juni 2006 bei der SZ abrufbar.

Das private Schicksal scheint aber bei dem ganzen Zirkus, dem selbstverliebten, grölenden Trubel des sogenannten Spitzensports, unterzugehen. “Mit Tabus brechen” – diese Forderung ist berechtigt. Aber: Sind diese “persönlichen Befindlichkeiten”, sind die Depressionen eines Kollegen “diskursfähig”, kann man darüber reden, kann man in dieser ständig aufgeheizten Atmosphäre mit ihm reden, auf ihn eingehen, sich auf ihn einlassen,  “etwas zusammen durchmachen”?

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3 Kommentare zu “Trauer um Robert Enke”

  1. lesenswert auch der FR-Artikel “Reiß dich zusammen” über Depressionen http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/2078935_Reiss-dich-zusammen.html

  2. Oh ja, der Artikel hat es in sich. Wirklich froh macht der wohl niemanden…
    Ich finde auch, man sollte den Selbstmordkandidaten früh genug sagen: Davon wird es auch nicht besser! Und Du änderst nichts zum Guten. Glücklich wirst du d a v o n bestimmt nicht. Und: Selbstmord ist Sabotage. Selbst-Sabotage, genau genommen. Ob’s was hilft?

    Und, merkwürdig: Das Wort “Liebe” hat der FR-Psycholog/Analytiker gar nciht benutzt. Da muss er aber noch mal nacharbeiten, da fehlt der entscheidende Aspekt, das könnte der springende Punkt sein. Ohne Liebe kein Leben? So etwas müsste man schon differenzierter betrachten. Oder: Was tun, wenn man sich ungeliebt fühlt?

  3. [...] Todestag von Robert Enke hat der Stern als Anlass für die Titelgeschichte genommen; 20 Männer und Frauen haben sich als [...]

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Frische Kommentare

  • Ernst: Dieser Brotaufstrich klingt auf den ersten Blick sehr lecker. Doch Leider fehlen für mich...
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