RTL: Alarm auf der Waage…

Wenn RTL eine Sendung zusammenstellt. bei der das Mindestgewicht der Teilnehmer so bei 150 kg liegt, geschieht das nicht aus Interesse am Schicksal der Betroffenen, sondern aus einem journalistischen Auftrag, im Dienste der Zuschauerquote ein paar Sensationen zu bringen.

So ähnlich könnte man sich jedenfalls die Entstehung der Sendung “Alarm auf der Waage” vorstellen, die von der Produktion her nicht allzu aufwändig gewesen sein dürfte: Man kann sich ja aus dem Archiv bedienen und altes Material noch einmal mixen.

Ein bisschen interessant wurde es bei der fünfjährigen Jessica, deren Mutter meinte, das Kind war als Säugling “nicht zufriedenzustellen”. Die Mutter, sinngemäß: “Ich gab ihr eine Flasche nach der anderen, aber sie hörte nicht auf zu weinen”.

Dass es auch noch andere Bedürfnisse als Essen gibt, wird nicht thematisiert. Die Kamera “hält drauf”, und das Team zieht weiter. Das wirkt im Prinzip wie unterlassene Hilfeleistung, und die Zuschauer werden, da das Kamerateam nur beobachtet und nicht eingreift, in der Haltung “Da kann man nichts machen” bestärkt.

Das Kind wird vorgeführt, soll (?) für die Kamera tanzen. Kinder-Diät: Fehlanzeige. Die Mutter bestellt eine Familienpizza, Jessica schaufelt sie in sich hinein, "Essen wie am Fließband.” 5 Jahre, 110 Kilo.

Viele Extremfälle werden in dichter Folge gezeigt – Leute, deren einziger Zeitvertreib darin besteht, zu essen und fernzusehen. Etliche Videos – teils von Nachbarn gefilmt – zeigen Aktionen, bei denen die Feuerwehr die Patienten mit dem Kran aus der Wohnung holt – Leute, die selbst nicht mehr laufen können und an die Wohnung gefesselt sind, die sie teil jahrelang nicht mehr verlassen haben.

Selten – vielleicht nie -  hat man so viele Speckwülste auf einmal gesehen.

330 Kilo sind in diesem Film keine Seltenheit. Die dargestellten Menschen leben meist vereinzelt. Man fragt sich allerdings, woher diese allzu-Übergewichtigen, die es selbst nicht in den Laden schaffen, ihr Essen bekommen, ob die “Betreuer” sich verantwortlich oder unverantwortlich verhalten, wird nicht thematisiert.

Als Kontrast werden dann Big Beautyful women gezeigt – Mode für Mollige. “Fett ist nett – sie zeigen sich in ihrer  ganzen Masse”. Und “Wir wollen niemals abnehmen.”

Ein “Einkaufstest” sollte schließlich zeigen, ob dicke Menschen auch mehr essen ;-)

Die Frage “Was kaufen Dicke?” wurde beantworten, wie es zu erwarten war:  Bratwurst, Chips, Pralinen…

Fazit zur Sendung: Kein Lerneffekt, kaum Unterhaltungswert, verlorene Zeit.

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6 Kommentare zu “RTL: Alarm auf der Waage…”

  1. “Fazit zur Sendung: Kein Lerneffekt, kaum Unterhaltungswert, verlorene Zeit. ”
    also ich will ja nicht altklug sein, aber: das hätte man sich auch irgendwie vorher ausrechnen können :-P

  2. Na ja – geschätzt hatte ich das Ergebnis vorher auch, aber ich nehme mal an, dass Du es jetzt auch als richtig bestätigst; das beruhigt mich doch sehr ;-)

  3. Mich wundert allerdings auch, wie in allen diesen Sendungen konsequent verschwiegen wird, dass es ja Menschen geben muss, die diese Sucht unterstützen, co-abhängig sind bzw. ihre ganz eigenen Vorteile daraus ziehen.

    Einem so dicken Menschen, der das Bett nicht mehr verlassen kann, kann man ja locker das essen zuteilen bzw. die Art der Lebensmittel bestimmen. Das wäre fies, aber konsequent.

    Wie bei Säufern, wo Mutti drei Flaschen Korn aus dem Supermarkt mitbringt.

  4. “… wie in allen diesen Sendungen konsequent verschwiegen wird, dass es ja Menschen geben muss, die diese Sucht unterstützen… ”

    Das ist leider wahr. Da tun sich Abgründe auf.

  5. wann gbits die sendung wieder heute ist der 25.03.11

  6. Hm, ich hab’ keine Programmzeitschrift ;-)

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