Kannibalismus in Deutschland: Die Dicken sind die Opfer

Immer wieder kommt es vor, dass in Presseveröffentlichungen Köpfe abgeschnitten werden. Und niemand scheint sich zu sorgen, wo die Köpfe bleiben. Wenn sie in den entsprechenden Redaktionen als Schrumpfköpfe aufgehängt werden, oder in Schubladen versteckt: Kein Staatsanwalt kümmer sich darum.

Eine Enthauptung – die Todesstrafe fürs Dick-Sein gibt es ja nicht – ist jedenfalls Mord. Und immer wieder geschieht es, dass wir Bilder von kopflosen Übergewichtigen vorgeführt bekommen.

Was sich dabei einprägt, ist das Schema: Dicker Körper, Speckfalten, enormer Bauchumfang.

Dass damit auch ein menschliches Schicksal verbunden ist, wird ausgeblendet, weil, was visuell die Persönlichkeit ausmacht, das Gesicht, bei diesen Klischee-Bildern ausgeblendet wird, und zwar systematisch.

 

Aber immer sind diese verstümmelten Körper unter Überschriften wie

Immer mehr junge Erwachsene sind zu dick

 

zu finden.

"Insgesamt ist fast ein Viertel der deutschen Bevölkerung adipös", sagte die Kongresspräsidentin der Jahrestagung der Deutschen Adipositas Gesellschaft, Prof. Martina de Zwaan.

Derartig massiv übergewichtig wie in der Abbildung ist aber nicht ein Viertel der Bevölkerung, sondern höchstens ein Zehntel der 25 %.

Es wird also Panik geschürt, Ressentiments werden geschürt, und die bedrohliche Aussage: “Du bist zu fett” wird mit diesen Abbildungen unterstrichen. Wer aber in Panik, oder zu große Angst gerät, hat Schwierigkeiten, vernünftig zu handeln. Wer stigmatisiert ist, wird mit anderen Augen angesehen. Wer (vermeintlich) immer nur schräg angeschaut wird, traut sich nicht mehr aus dem Haus, entwickelt eine soziale Phobie, bewegt sich weniger, und so weiter.

Die Opfer werden denn auch kopflos dargestellt, wenn auch gelten könnte:

"Adipositas ist eine Krankheit des Gehirns, nicht ein Lebensstil-Phänomen", betonte der Präsident der Deutschen Adipositas Gesellschaft, Martin Wabitsch.

Damit ist Wabitsch kurz davor, die Adipösen als geisteskrank hinzustellen, aber so kann das auch nicht gemeint gewesen sein.

Eher ist die Situation als solche irre, und die Chirurgen haben die Skalpelle schon geschliffen.

Wenn die Umstellung der Ernährung und Verhaltenstherapie nicht fruchten, kommt bei krankhaft fettleibigen Jugendlichen ein chirurgischer Eingriff infrage. "Wir wissen, dass die Komplikationen in der Adipositas-Chirurgie geringer geworden sind", sagte Prof. Alfred Wirth aus Bad Rothenfelde.

“Ich glaube, ich hab mein Schlachtgewicht erreicht”: Das hat ein Freund schon vor Jahren gesagt. Gottseidank hat er eine gute Konstitution und lebt noch. Es hat ihn und seinen Bauch aber auch noch niemand abgebildet, nachdem ihm der Kopf abgeschnitten wurde.

Hätte man ihn geschlachtet, wäre sicherlich auch sein Körper verwertet worden und vielleicht in der Lasagne gelandet.

Dieser Gedanke ist geschmacklos, fraglos. Ohne Frage sind auch die Abbildungen von kopflosen Dicken geschmacklos – aber nie werden sie hinterfragt, sondern unerträglich endlos wiederholt.

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