Mehr Speck – weniger Abitur

“Gleiche Bildungschancen für Alle” – das war einmal eine Forderung, zu der es einen breiten Konsens gab. Inzwischen wird vielleicht noch der gleiche Lohn für die gleiche Arbeit gefordert, aber ach, die “Gleichmacherei” ist aus der Mode.

Und so wundert sich auch niemand, dass übergewichtige Kinder seltener als die schlanken den Übergang aufs Gymnasium schaffen, dass ihre Schulnoten hnterherhinken. Oder beginnt der negative Körpergewichtseffekt erst bei der ausgeprägten Adipositas? Es

… haben adipöse Mädchen und Jungen seltener gute bis sehr gute Mathenoten. Die Wahrscheinlichkeit, die Note 1 oder 2 zu bekommen, ist bei ihnen um elf bzw. zehn Prozentpunkte geringer als bei ihren normalgewichtigen Mitschülern. Bei adipösen Mädchen sind die schlechteren Mathenoten vor allem darauf zurückzuführen, dass sie häufiger gehänselt werden, was zu einem geringeren Selbstwert und größeren Verhaltensproblemen führt.

Bei den Jungen stellten die Forscher keinen „Hänsel-Effekt“ fest. Allerdings leiden auch adipöse Jungen unter einem geringeren Selbstwert, was die schlechteren Mathematikleistungen zum Teil erklärt. Ob ein Kind insgesamt gesund ist, wie viel Sport es treibt oder wie viel Fernsehen es schaut, verändert den Einfluss von Adipositas auf die Mathenoten nicht.

Für die Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung “… wurden Daten des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys des Robert-Koch-Instituts (Stichprobe der 7- bis 10-Jährigen) sowie des Mikrozensus 2009 ausgewertet.”

Wie der Effekt des Selbstwertgefühls auf die Schulleistungen aus diesen Daten erschlossen werden kann, ist mir schleierhaft. Gibt es im Microcensus einen “Hänselquotienten”?

Auch sollte man, wenn man nach Lösungen sucht, den Einfluss  von Schulstress und Führungsverhalten der Lehrerpersönlichkeiten untersuchen.

Im SPIEGEL kritisierte ein Leser:

Pädagogik ist [in der Lehrerausbildung] eher zweitrangig. Da Kinder aber ausschließlich über Beziehung lernen ist es notwendig die Lehrerausbildung in dieser Richtung stärker zu prägen. Dazu gehören das eigene Menschenbild, die innere Haltung, Vorurteilsbewußtsein, fundierte Kenntnisse der Entwicklungspsychologie, etc. Man glaubt gar nicht welchen Effekt gewaltfreie Kommunikation allein schon auf ein positives Lernverhalten der Kinder hat.

Das ist gut wohl gemeint. Und dringend erforderlich, wenn wir es ernst meinen mit der Chancengleichheit.

Und die Schule müsste über Instrumentarien verfügen, die den adipösen Kindern – in Zusammenarbeit mit den Eltern -  eine Chance geben, ihr krankhaftes Übergewicht und das beschädigte Selbstwertgefühl zu heilen.

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