Meine Freundin und Ich – Stationen einer Hassliebe

Eigentlich sollte man, was Beziehungen betrifft, sich in Diskretion üben und nicht damit an die Öffentlichkeit gehen. Egal, das Tabu breche ich jetzt einfach: So intensiv ist diese Beziehung ja auch gar nicht, wir verkehren meist nur schriftlich, selten, dass ich sie wirklich einmal in den Händen halte und dabei betrachte.

Dann hat sie mir viel mitzuteilen, behandelt mich aber, als sei ich eine Frau:

Der ständige Kampf mit dem Gewicht ist so frustrierend! Manchmal steht man kurz davor, ihn einfach aufzugeben. Es tröstet auch nicht, dass Millionen von Frauen dieses Schicksal teilen und sich morgens auf der Waage fassungslos fragen: Was ist bloß los? Wie kann es sein, dass ich schon wieder zugenommen habe?

Das sind diese Sätze, bei denen ich das Gefühl bekomme, die Männer seien ihr ganz egal. Natürlich haben auch ein paar Männer dieses Übergewichtsproblem!
Aber diese Freundin hat kein weibliches Organ – sie ist ein feminines Mitteilungsorgan, in Print und digital. Regelmäßig bekomme ich Post von ihr – einen Newsletter, den ich dann nicht ignorieren kann und öffne – ich könnte ja etwas verpassen.
Heute also werde ich gewarnt,

dass der häufige Verzehr von sehr fett- und zuckerreichen, hochverarbeiteten Lebensmitteln (z. B. Süßigkeiten, Pommes, Fast Food) das empfindliche Regulationssystem aus dem Gleichgewicht bringt. Künstliche Aromen stören es vermutlich ebenfalls.

Gut, daran werde ich mich mal halten. Und alle, die es noch nicht wussten, schreiben es sich bitte hinter die Ohren:

Man isst zu oft und bis zum Völlegefühl, also viel zu viel!

Ja, das Problem hab’ ich hier auch schon einmal beschrieben – nutzen diese Warnungen etwas?

Die Sache mit der

  • (2.) Balance der Hormone und der
  • (3.) Energieverbrennung in den Muskeln überspringen wir mal; daran,
  • (4.) dass man sich beim Essen an den Tisch setzt und beim Essen kein Multitasking veranstaltet, halte ich mich ja meistens (Stichwort: Tischkultur). Das
  • (5.) Thema “Stress” – das ist auch so ein Kapitel, das häufig Probleme aufwirft. Stress wegen allem möglichen, blödestenfalls auch noch “selbstgestrickter Stress”. Ob dann “Entspannung” noch hilft?
    Was die
  • (6.) Säure-Basen-Balance betrifft, bin ich mir nicht so sicher, ob man da Vorschriften machen sollte. Wenn ich sauer bin, hilft es auch wenig, Blumenkohl zu essen. Die Geschichte mit dem Säuren-Basen-Gleichgewicht” ist vielleicht auch nur eine Erfindung der Heilpraktiker, um die Kundschaft an sich zu binden – vielleicht.
    Immerhin erzählt sie heute nichts von Schüssler-Salzen…
    Die
  • (7.) versteckten Dickmacher sind doch wohl bloß für blutige Diät-Anfänger interessant – gibt es irgendwen, der zu dem Thema noch nicht genug weiß? Oder liegt das Problem gar nicht an der mangelnden Information, sonder “nur noch” an der Umsetzung?Beim Lesen bleibt auch der
  • (8.) Jo-Jo-Effekt nicht unerwähnt, und

    “Der moderate Gewichtsverlust gelingt, wenn bei einer Diät nicht weniger als 1500 Kalorien am Tag gegessen werden, so die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.”

    Und hier werde ich wieder (6.) sauer mit “meiner Freundin”: Um mich an diese Empfehlung zu halten, muss ich ja Kalorien zählen, aber ich habe doch schon längst entschieden, dass ich “intuitiv” abnehmen will. Gut, langsam wird es da mal Zeit, Butter an die Fische zu tun ;-)
    Dann aber

  • (9.) kam der Punkt, an dem sie originell und kreativ geworden ist: Mit der Frage:

Ist das eigene Figurziel überhaupt realistisch?

Da wird erklärt, dass Madonna, zum Beispiel, als Vergleichsgröße nicht so sinnvoll ist, weil sie ihren Körper professionell und mit mehr Aufwand in Form hält, als alltäglich möglich ist.
Dass gewisse “Problemzonen” manchmal einfach sind, wie sie sind, und:

Versuchen Sie, ein neues Gefühl für Ihren Körper zu entwickeln. Achten Sie bewusst darauf, was und wie viel ihm guttut: beim Essen, Trinken, Bewegen, Schlafen, Entspannen … Methoden wie Yoga, Feldenkrais oder Alexander-Technik helfen ebenfalls, besser mit dem echten Ich-Gewicht klarzukommen.

Das ist doch mal ein Wort! Nicht Wunschgewicht, Traumgewicht, Idealgewicht als Ziel, sondern

Das echte Ich-Gewicht.

Das wäre aber doch mal ein Extra-Heft wert, mit vielen, echten Erfahrungsberichten, ohne professionelle Models und – nicht, dass ich so sehr darauf besteht, aber muss ausgerechnet die Freundin die Männer ausschließen?

Das Thema Ich-Gewicht, oder Ego-Gewicht (?) ist doch viel zu bedeutsam, um es nur für die (bessere) Hälfte der Menschheit zu behandeln ;-)

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3 Kommentare zu “Meine Freundin und Ich – Stationen einer Hassliebe”

  1. ich find ja das das-gewicht-ist-egal-Gewicht viel bedeutsamer ;-)

  2. Ach, Mausiflausi, das “Egal-Gewicht” ist doch so einfach zu erreichen ;-)
    Aber nicht immer kann man zum Egal-Gewicht auch “Gutgewicht” sagen. und der bedeutsame Freundin-Satz:

    “Methoden wie Yoga, Feldenkrais oder Alexander-Technik helfen ebenfalls, besser mit dem echten Ich-Gewicht klarzukommen”

    - das bedarf doch noch der Erläuterung, Verifizierung. Ich glaub’ auch gar nicht, dass die Freundin das alles ausprobiert hat, und bin sauer mit ihr, weil sie Qi-Gong gar nciht genannt hat.

  3. [...] hier aufmerksam mitgelesen hat, wird auch den bedeutsamen Satz meiner Freundin gelesen haben:  “Methoden wie Yoga, Feldenkrais oder Alexander-Technik helfen ebenfalls, [...]

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