Angepasste Methodik der Fastenspaziergänge, Gesundung und Kur

Mal den Artikel mit einem Bilderrätsel beginnen – kann man machen, wird die LeserInnen vielleicht irritieren, wenn wenig zu sehen und noch weniger zu erkennen ist. Gut zu erkennen ist hier aber das „Fressnet-Logo“, das wurde allerdings nachträglich hinzugefügt und stellt nicht, oder nur bedingt das eigentliche Motiv dar:

Die Auflösung: Es handelt sich hier um eine verfremdete Darstellung eines Chinakohl-Paprika-Salats. Etwas muss man ja essen,

„Wichtig ist auch, dass Personen nicht hungern. Zudem muss das Essen schmackhaft sein, um die energieärmere Lebensmittelauswahl langfristig beibehalten zu können. Denn nur eine dauerhafte ausgewogene und energiereduzierte Kost führt zu einer Gewichtsreduktion und -erhaltung.“

Wir finden diese Aussage in einem Interview mit  Dr. Christina Holzapfel  von der Fachhochschule Fulda; die programmatische Überschrift „Abnehmen ohne Diät“ klingt vertraut, aber nicht vertrauenerweckend für trainierte Skeptiker.

Theoretisch lässt sich immer ein Set persönlicher und personalisierter Ernährungsempfehlungen anbieten, allerdings kann und wird nicht jede Empfehlung auf Gegenliebe stoßen. Die Erfahrung, dass „Chinakohlsalat mit Paprika“ den Magen füllt und den Körper sättigt, machen die Wenigsten rein intuitiv, was bedeutet, dass Rezepte mit Kreativität umgehen müssen und  die Intuition geschult werden sollte.

Ein kleiner Verfremdungseffekt hat sich hier eingeschlichen, weil zum aktuellen Farbfoto sich ein Schwarz-Weiß-Ausdruck aus der Vergangenheit eingeschlichen hat; Das korrespondiert mit einem modernen Standpunkt „Mehr Abwechslung beim Essen ist immer machbar“ und „Hoch verarbeitete Lebensmittel sehen wir kritisch“.

Die staatlichen wie die stattlichen Ernährungsberater und -Reporter bleiben mit ihren „Binsenweisheiten“ jedoch hinter den konkret-praktischen Möglichkeiten zurück und kein Linsen-Mango-Brotaufstrich findet sich in ihren Aktionsplänen. Oder auch: „“Haferkleie-Nudelsuppe mit Spinat“ finden 9 von 19 Patienten befremdlich“.

Angepasste Methodik der Fastenspaziergänge

Zu meiner Internet-gestützten Publikation habe ich folgende Positionsbestimmung durchgeführt:

Wenn ein Vorhaben wohlwollend und mit Interesse aufgenommen und die ganze Arbeit daran förderlich unterstützt wird, hängt auch noch das schönste Konzept vom Wohlwollen der User ab, deren Erwartungen sich nun auf das „Was ist das [„Fressnet“] überhaupt, warum und wozu?“ konzentrieren.

Der Ideengeber kann sich gerne als Initiator fühlen, wenn die erzielte Resonanz hierfür ausreicht. Insofern enthält das Folgende Spuren von Imagination. Resonanz gibt es zum Beispiel von der

Unterstützerin A

„Beim Schreiben und Fotografieren begegnete sie ihm stets mit Interesse und Wohlgesonnenheit.“

Ein Beispiel:

Zum Fastenspaziergangsgedanken steuerte sie für einen „zentralen Flyer“ notierte Erfahrungen auch alternativer Art bei. Der Flyer spricht die Zentralpunkte der Fasten-Bewegung an [wie: „Wer hilft wem?], ohne sie zu zermahlen. so dass Fragen von Über- und Unterordnung schon zu Anfang geklärt sind.

Die Besonderheit ist hier, dass Beschämendes, das als „alte Belastung“ wirkt, nicht einfach als Altlast, die zu beseitigen ist, behandelt wird.
Es geht vielmehr darum, das Beschämende aufzuklären: Was daran belastet, wodurch es beschämend geworden ist und welchen Anteil daran übernommene Vorstellungen haben können – so dass zwischen eigener Wahrnehmung und den Erwartungen anderer differenziert wird.

Dabei kann das Beschämende, etwa der fette Bauch, nicht plötzlich verschwinden. Es braucht also auch einen Platz. Man kann den fetten Körper gewissermaßen in die Ecke stellen und auf ihn einsprechen. Damit wird er weder verleugnet noch zum bestimmenden Gegenüber gemacht. Er darf da sein, darf angesprochen und auch kritisiert werden – aber er muss nicht über den Menschen bestimmen.

Gesundung und Kur

Worum es eigentlich geht, dürfte die Gesundung sein. Das Kurieren wäre dann der Weg dorthin – gegebenenfalls auch ein Sich-kurieren-Lassen.

Dabei ist „das Beschämende“ nicht notwendig nur als Erinnerung an eine alte Verletzung zu verstehen. Es kann ebenso mit etwas zusammenhängen, das tatsächlich schwindet: mit der eigenen Jugendschönheit, mit körperlicher Attraktivität und mit einem Selbstbild, das sich darauf gegründet hatte.

Was verloren geht, muss nicht so behandelt werden, als sei es nie vorhanden gewesen. Gerade darin könnte eine Aufgabe des Kurierens liegen: Den Verlust wahrzunehmen, ohne ihm die Herrschaft über das eigene Selbstverständnis zu überlassen.

Die Kur wird den narzisstischen Komplex mit einbeziehen müssen. Denn das Problem liegt nicht notwendig im Körper allein, sondern auch in dem Bild, das sich jemand von ihm macht.

Das Selbstbild

kann gestört sein: Menschen mit Magersucht können sich trotz starken Untergewichts als zu dick wahrnehmen; leicht Übergewichtige geraten in wiederkehrende Abnehm- und Zunahmeschleifen; andere reagieren auf die Sorge um ihre Körperform mit Verhaltensweisen, die langfristig eher in Richtung metabolischer Belastung führen.

Das bestimmende Wahrnehmungsorgan scheint dabei zunächst das Auge zu sein. Beim Narzissten ist das besonders deutlich: Er wird von dem Bild gebannt, das sein eigenes Auge ihm liefert. Und mit den verwandten Traumbildern wird die Sache noch eigentümlicher. Die Fettscham wird kaschiert. Was wir sehen, ist nicht immer das, was ist; und was wir uns vorstellen, kann sich dem Auge gegenüber mitunter als ebenso wirklich behaupten wie die sichtbare optische Wirklichkeit.

Damit bekommt auch die Frage nach dem Selfie eine andere Bedeutung. Es stellt zwar ein Bild des Körpers her, Gesichtsmuskulatur codiert die Darstellung von Emotionen, entspannt aber nicht notwendig das Verhältnis zu diesem Bild. Im Gegenteil: Das technische Vermögen, sich selbst jederzeit abzubilden, könnte die Bindung an das eigene Bild sogar verstärken.

Der Dozent

An dieser Stelle bringen wir den Dozenten ins Spiel. Er könnte quasi gewohnheitsmäßig Einwände produzieren, etwa den, dass die Geschichte des Narziss technisch gesehen einen kleinen Fehler enthält: Eine Spiegelung in einer Quelle ist flüchtig und lässt sich nicht festhalten. Der „historische Narziss“ konnte sein Bild betrachten, konnte es aber weder mitnehmen noch speichern. Schon gar nicht kann er es anderen zeigen, überhaupt garnicht als „laufende Bilder“.

Heute, so der Dozent, seien diese technischen Schwierigkeiten vollständig beseitigt. Das eigene Spiegelbild lässt sich jederzeit herstellen, festhalten, auswählen, verbessern und verbreiten. Das Selfie macht aus dem flüchtigen Bild ein verfügbares Objekt – und wird entsprechend ausgiebig genutzt.

Vielleicht, fügt er hinzu, habe Narziss also nicht nur ein psychologisches, sondern auch ein technisches Problem gehabt: Er besaß noch kein Gerät, mit dem er sich selbst aus der Quelle hätte herauslösen können. Ob das Selfie das menschliche Bedürfnis nach Spiegelung karrikiere oder nur ein allgemeines Bedürfnis „wider-spiegelt“, sei vielleicht weniger entscheidend als die zwischenmenschliche Praxis.

Damit wäre noch nicht geklärt, ob die technische Lösung Bestandteil einer Kur sein soll; eine Kur des narzisstischen Komplexes müsste jedenfalls das Verhältnis zwischen Bild, Körper und Betrachter verändern.

Und damit könnte sich der Bogen wieder zu den eigentlichen Inhalten der Fastenspaziergänge schließen.

Wir setzen voraus, dass Überlegung und Vorsicht die Grundbedingung des Erfolges darstellen.

Wenn die Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft zur praktischen Umsetzung der „personalisierten“ oder schlicht persönlichen Ernährung allzu begrenzt sind, muss das ja nicht so bleiben. „Forschung“ kann auch einen spielerischen Anteil haben und Ausprobieren kann Freude machen, zumindest  einigermaßen spannend sein.

Dabei lässt sich nicht jede Speise gleich gut personalisieren, der gemeinschaftsschöpfende Effekt des Eintopfs aber auch nicht.

Ob den Patienten ein fertig zusammengestellter Teller serviert wird oder ob sie sich am Buffet bedienen dürfen, sind technische Fragen, die von Fall zu Fall geklärt werden müssen, nimmt man es genau, unter dem Primat der globalen Menschenrechte, jedenfalls, wenn wir „Gesundheit“ weiter als nur bis zur persönlichen Nasenspitze denken.

Irgendwo müssen wir auch Gelegenheit zur Vermittlund von ernährungsbezogener Gesundheitsbildung schaffen – wenn hier auch kein spezieller Heilpflanzen-Blog entstehen soll, müsste es doch möglich sein, Fragen wie „Wozu ist Petersilei gut?“ oder zur alltäglichen Verwendung von Haferkleie zu behandeln.

Ein Nudelteig mit hohem Haferkleie-Anteil lässt sich zwar nicht so gut fein ausrollen, aber auch dafür gibt es Lösungen:

Die Füllung bestand hier aus Geflügelhackfleisch, das lediglich gesalzen auf die Nudel und mit ihr zusammen in den Dampftopf kam.

Frische Kommentare

  • Anja: Hallo, einen sehr schönen Blog hast du da. Ich werde mich mal etwas umschauen, denn auch...
  • N. Lang: Ein sehr schöner Bericht, beim lesen beschleicht einen direkt die Lust es doch selbst...
  • Sabrina: Schön, dass du bei der Bilanz dabei bist! Mit Spirulina und Algen zu experimentieren,...
  • ClaudiaBerlin: Mit all meiner fortgeschrittenen Lebenserfahrung kann ich sagen, dass das mit den...
  • Julia: Da hast du recht, was das Fermentieren angeht, bin ich Spätzünderin 😂

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